Der Kampf gegen den Bahnlärm geht weiter!

Der Kampf gegen den Bahnlärm geht weiter!

Der Kampf gegen den Bahnlärm geht weiter! 1240 938 Deutsche Schienenhilfe

Erwin Rüddel MdB

Gastbeitrag von Erwin Rüddel MdB (Mitgründer und Sprecher des interfraktionellen ‚Parlamentskreises Bahnlärm‘)

Seit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 und dem Inkrafttreten des Schienenlärmschutzgesetzes (SchlärmschG) dürfen keine lauten Güterwagen mehr auf dem deutschen Schienennetz verkehren. Sofern Güterwagen bis zu diesem Zeitpunkt nicht umgerüstet wurden, dürfen sie nur mit einer solchen Geschwindigkeit fahren, die dem fiktiven Schallleistungspegel eines umgerüsteten Güterwagens entspricht.

Lange genug hat es gedauert, bis wir mit dieser Halbierung des Bahnlärms ein bedeutendes Etappenziel erreicht haben. Aber der Bahnlärm bleibt ungeachtet aller bisherigen Teilerfolge ein zentrales Thema für die Menschen entlang des Rheins!

Die Einhaltung des Schienenlärmschutzgesetzes muss streng kontrolliert werden. Wir brauchen eine flächendeckende, exakte und schnelle Erfassung des Zustandes der Waggons am Gleis. Gleiches gilt für die Überwachung des Waggonmaterials beim Eintritt in das deutsche Schienennetz. Diese Messsysteme sind verfügbar. Hierdurch kann einerseits sehr schnell gegen Lärmbelästigungen, z. B. durch Flachstellen, vorgegangen werden. Zum anderen wird auf diese Weise auch ein höherer Sicherheitsstandard gewährleistet.

Deshalb die Forderung unseres ‚Parlamentskreises Bahnlärm‘: „Identifizieren, aussortieren, reparieren – und sanktionieren!“

Nur wenn alle aktiven Güterwagen mit modernen, lärmarmen Bremssohlen ausgerüstet sind, reduziert sich der Lärm eines vorbeifahrenden Güterzuges um rund zehn Dezibel, was vom menschlichen Ohr als Halbierung wahrgenommen wird.

Große Sorgen bereiten den Menschen an den Trassen im Mittelrheintal auch die jüngsten Unfälle von Gefahrgutzügen. Wir erwarten von der Bahn die verbindliche Einhaltung des Versprechens, dass nur absolut zuverlässige und auf die geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen verpflichtete Lokführer solche Gefahrgutzüge bewegen dürfen. Ferner sollten im innerörtlichen Bereich keine sog. Entrostungsfahrten von mit Gefahrgut beladenen Güterzügen mehr über zusätzliche Weichen zugelassen und das tagelange unbeaufsichtigte Abstellen von Gefahrgutzügen beendet werden. Andernfalls muss ernsthaft über die Forderung der Deutschen Schienenhilfe nach noch schärferen Geschwindigkeitsbegrenzungen für Gefahrgüter nachgedacht werden.

Ferner fordern wir weiteren Einsatz für einen nachhaltigen Lärmschutz und drängen beim Bund und der Deutschen Bahn auf zusätzliche Investitionen für Lärmschutzmaßnahmen entlang der Trassen. Ergänzende Anstrengungen für aktiven und passiven Lärmschutz sind erforderlich – wie leisere Weichen, Schienenstegdämpfer, Lärmschutzwände sowie weitere, neue Technologien zur Lärmminderung am rollenden Material und am Gleis, z.B. lärmarme Lokomotiven und Triebwagen.

Speziell mit Blick auf den Mittelrhein bleibt es aber dabei, dass sich nur mit der glaubwürdigen Aussicht auf eine alternative Neubaustrecke  – also die tunnelgeführte Lösung von Troisdorf nach Mainz-Bischofsheim – langfristig die Hoffnung auf eine substantielle Steigerung der Lebensqualität für die Anwohner am Mittelrhein verbindet. Deshalb begrüßen wir von der ‚Parlamentsgruppe Bahnlärm‘ – im Einklang mit den Bürgerinitiativen vor Ort  – , dass jetzt auch aufgrund unserer Initiativen die Machbarkeitsstudie für die alternative Neubaustrecke auf den Weg gebracht wurde.

Im Gründungsaufruf der Parlamentsgruppe Bahnlärm vom Januar 2015 heißt es u.a.: „Wir sind nicht gegen die Bahn! Sie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber wir fordern, dass die Bahn schneller leiser wird, insbesondere im Schienengüterverkehr.“

Wenn die Schiene das Rückgrat der Verkehrswende und ein entscheidender Problemlöser in der Klimakrise werden soll, dann sind in den kommenden Jahren neue Lärmminderungsziele unabdingbar.

Denn: nur eine leisere Bahn wird von den Menschen akzeptiert. Lärm, Erschütterungen und Feinstaub beeinträchtigen in hohem Maße die Lebensqualität an den hoch frequentierten Bahnstrecken nicht nur im Mittelrheintal; die Folgen für Gesundheit, Immobilienwerte, Tourismus und andere Wirtschaftszweige sind zum Teil dramatisch.

Angesichts der tagtäglichen Gegebenheiten des Güterzugverkehrs steht für mich – auch als betroffenen Wahlkreisabgeordneten – fest, dass wir ohne Wenn und Aber auf weiteren Schutz vor Schienenlärm hinarbeiten müssen. Andernfalls wäre die Akzeptanz des klimafreundlichen Verkehrsträgers Schiene hochgradig gefährdet.