Bürger*innen Buch Bahnlärm vorgestellt

Bürger*innen Buch Bahnlärm vorgestellt

Bürger*innen Buch Bahnlärm vorgestellt 625 410 Deutsche Schienenhilfe

Nach Betroffenheitsstudie verlangen Initiativen aus Deutschland und Österreich jetzt gegen den überbordenden Lärm von Güterzügen ein Tempolimit von 50 km/h innerorts und ein qualifiziertes Nachtfahrverbot für überlaute Güterzüge (technische Defekte).

Als Ergebnis einer Befragung von mehr als 2.000 Bahnlärm-Betroffenen kommen europäische Bahnlärm-Initiativen im Rheintal (Pro Rheintal) und am Wörthersee (Stopp den Bahnlärm) zu dem Schluss, dass der bisherige Lärmschutz an Bahnlinien weitgehend unwirksam ist.

Große Teile des Lärms und die zusätzlichen Erschütterungen werden gar nicht bewertet und bleiben auch bei den Schutzmaßnahmen unberücksichtigt. Die Folgen sind Stress und Schlafentzug an Bahnlinien mit Folgeerkrankungen, die bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Krebs und Demenz reichen.

Das alles ist nachzulesen im 140 Seiten umfassenden „Bürger*innen Buch Bahnlärm“, dessen Inhalte und Forderungen jetzt im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurden. Die Initiativen kritisieren, dass sich die Verkehrsbelastungen dramatisch erhöht haben und der Schienengüterverkehr heute lauter ist als vor 40 Jahren.

Konträr dazu sei das Bewusstsein für Lärm als Gesundheitsproblem nicht mitgewachsen, sondern nähre sich aus kümmerlichen Erinnerungen älterer Herren, die sich nicht ihre Spielzeugeisenbahn wegnehmen lassen wollen.

Die Belastungen für Hirn und Organismus durch Lärm sind daher ein weiteres Thema im Bürgerbuch.

Die Lärmschutzmaßnahmen von Bund und Bahn, wie die Umrüstung der Waggons auf Kunststoffbremsen, führen laut Berichten der Landesmessstellen und der Anwohner keineswegs zu spürbaren Entlastungen. Technische Rad- und Schienenfehler verursachen weiterhin tieffrequente Geräusche (Dröhnen, Brummen), Impulsgeräusche (Rattern, Klopfen) und Erschütterungen (Vibrieren).

Diese Effekte sind durch mehr Verkehr sowie technische Mängel eher zu- als abnehmend. Hinzu kommt, dass die Güterzüge nachts schneller fahren (weniger Personenverkehr) und dadurch noch lauter sind als am Tage.

Pro Rheintal-Sprecher Frank Gross weist darauf hin, dass die „Postkutschentechnik“ der Güterwaggons völlig ungeeignet ist für die heutigen Achslasten und Geschwindigkeiten.

Sowohl starre Achsen, die Räder in den Kurven springen lassen, als auch blockierende Bremsen, die bei einzelnen Waggons zu Flachstellen führen, machen einen dauerhaft einwandfreien Zustand von Rädern und Schienen geradezu unmöglich.

Im Gegenteil, Infrastruktur und Fahrgestelle werden extremen Belastungen ausgesetzt und buchstäblich „kaputt gefahren“.

Bis zu 90 Tonnen pro Waggon und 2.000 Tonnen pro Zug würden bis auf 160 km/h beschleunigt, was bei einer möglichen Entgleisung zu einer Sprengkraft führe, die einem Erdbeben mit gleichzeitigem Bombenhagel gleichkomme. Der Abbau an Personal und Servicekapazitäten bei der Güterbahn habe zu immer mehr Unzuverlässigkeit und technischen Problemen geführt, sagt Gross.

Im letzten Jahr waren nur noch 71 Prozent der Güterzüge pünktlich (laut DB) und mit zwei Milliarden Euro Umsatz und einer Milliarde Verlust ist der Schienengüterverkehr 2021 nicht nur „Lärmweltmeister“, sondern ökonomisch auch „Verlustweltmeister“. Der angeblich „blühende Zweig künftiger Mobilität“ sei ein totes Pferd, das von Bahnreform zu Bahnreform durchs Ziel geritten werde und Milliardenlasten für Steuerzahler produziere, so Frank Gross.

90 Prozent der befragten Bahnanlieger klagen über Schlafstörungen und spüren, dass der Lärm sie krank macht. Professor Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz fordert angesichts der Lärmwerte ein sofortiges Nachtfahrverbot. Der Kardiologe erklärt, dass sei Körperverletzung und nicht länger hinzunehmen. Neue Erkenntnisse, wie sehr der Verkehrslärm den Menschen schadet, verweisen neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch auf Krankheiten wie Depressionen und Demenz.

Laut Pro Rheintal wurden medizinische Studien über Bahnlärm in der Vergangenheit gezielt verhindert oder man habe nur spezielle „Fachleute“ damit betraut. Dabei sei längst klar, dass es nirgends lauter und bedrohlicher schallt als an Bahnlinien, wie aus der Anwohnerbefragung noch einmal eindrucksvoll hervorgeht. Die Tourismusexperten und Hoteliers im Rheintal und am Wörthersee beklagen den seit Jahren anhaltenden negativen Einfluss von Bahnlärm auf die Attraktivität ihrer Regionen.

Mit dem Bürger*innen Buch Bahnlärm sollen diese Forderungen nachhaltig „zu Buche“ schlagen, und Professor Münzel weist darauf hin, dass aufgrund der langjährigen Exposition der Betroffenen bei diesen Lärmwerten keine Minute mehr versäumt werden sollte, um Menschenleben zu retten. Daher ist seiner Überzeugung nach ein sofortiges Nachtfahrverbot dringend geboten!

Weitere Informationen:
Pro Rheintal e. V. Bürgernetzwerk
Frank Gross, 1. Vorsitzender
Simmerner Straße 12
56154 Boppard
Tel. 06742 801069-0
E-Mail: info@pro-rheintal.de